Intellektuelle Verschleierung 

​Der algerische, mālikītische Gelehrte, ʿAbd al-Ḥamīd b. Bādīs (gest. 1940) schrieb in einer Ausgabe des von ihm ins Leben gerufenen Magazins (مجلة الشهاب):
„Wenn ihr die wahre Verbesserung der Frau möchtet, dann lüftet den Schleier der Unwissenheit von ihrem Intellekt, bevor ihr versucht, den Schleier von ihrem Kopf zu lüften. Denn der Schleier der Unwissenheit ist es, der sie rückständig gemacht hat. Aber der Schleier, der sie bedeckt, hat ihr in Zeiten ihres Fortschritts nie geschadet. Denn die Töchter Bagdads, die Töchter Cordobas und die Töchter Bejaias erreichten eine hohe Stufe im Wissen, trotz ihrer Verschleierung.“
von ‚Stimme der Gelehrten‘

Melancholie?

Das Herz, es ist bedrückt, eingeengt und es schmerzt. Wieder vertraut und im Stich gelassen. Ya Rabb,  wann lerne ich das nur Deine Liebe unendlich ist? Dass nur dein Wohlgefallen von Bedeutung ist? Menschen missbrauchen und verletzen. Sie schleichen sich ins Leben, bringen manches durcheinander und verlassen es wieder. Hinterlassen Verwüstung. Nichts bleibt von ihnen, als ihre schmerzenden Spuren.

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Und wenn wir auf dem Boden sitzen und uns ein trockenes Stück Brot teilen müssen, so will ich in deine warmen, aufrichtigen Augen schauen und mir sagen „Ich bin genau da, wo ich immer sein wollte“.

12 Tage in der Woche

Jeden Tag – an jedem Tag verlangt man Leistung von dir. Du musst funktionieren und deine Arbeit erbringen. Keine 85%, keine 97%, man möchte 100%. Und manchmal sogar mehr. Es spielt keine Rolle ob es dir heute nicht gut geht, seelisch oder körperlich. Nein, du musst in jedem Fall funktionieren. „Ich kann nicht mehr“ schreit die Seele. Ich höre sie tagtäglich. „Ich möchte das nicht“ – jeden Moment. „Es tut mir nicht gut“ – doch ich höre nicht auf. Wird sie mal entlastet – so wie jetzt – ist sie bereits erschöpft und kann keine Leistung mehr erbingen. Wichtige Dinge im Leben werden vernachlässigt um dem Materialismus hinterher zu jagen. Ja, dafür wird Zeit frei geschaufelt. Dafür findet man immer Zeit – für Arbeit. Es sollte nur ein Nebending werden um zu (über-)leben, aber plötzlich fängt alles sich danach zu richten an. Termine müssen abgesagt oder verschoben werden. Der Tag muss anders geplant werden, denn die Arbeit muss erbracht werden – man muss funktionieren, so wie sie es für richtig halten, nicht wie man es selbst möchte.

Ich sitze am Schreibtisch und versuche den Arbeitsauftrag zu erledigen. Bis morgen muss er fertig sein. Ich öffne die Word-Datei, stelle alles ein und möchte beginnen. Die Arbeit kann starten denke ich mir. Ich lese mir den Text noch einmal durch, anhand der Arbeitsauftrag erledigt werden soll. Ich verstehe die Hälfte. Ein Blick aufs Handy: auch nach den 5 Minuten keine Veränderungen. Gut, die Arbeit kann jetzt beginnen. Der nächste Versuch wird in Angriff genommen – antriebslos natürlich. Es kommt nichts produktives bei raus, ich werde müde. Ich lösche die wenigen bereits getippten Zeichen und entscheide mich dafür, den Arbeitsauftrag sein zu lassen. Richtig, ich resigniere! Gute Nacht.

Mini Erfahrung, die große Gedanken auslöste

Sonnige Zugfahrt mit einer kleinen Anekdote. Gestern – nach dem ich mich spontan dazu entschlossen habe mit einer Freundin, in eine entferntere Stadt einkaufen zu gehen – machten wir uns auf den Weg uns Fahrtickets zu kaufen. Der Zug sollte um 12:39 Uhr abfahren, wir hatten 12:21 Uhr. Wir liefen also schnell zum Büro – 25 Leute vor uns die ebenfalls ein Fahrschein brauchten. „Unmöglich, dass wir ihn noch erwischen“, dachte ich mir, jedoch mit genug Hoffnung um uns hinzusetzen und ungeduldig zwischen Uhr und der Frau am Schalter hin und her zu schauen. 12:30 Uhr – immer noch am Warten. Jede Minute zählte. 12:39 Uhr, jetzt sollte der Zug abfahren, doch erst jetzt standen wir vor dem Schalter und schilderten unser Anliegen. Sie druckte uns schnell die Tickets aus und fügt hinzu „Sie werden es nicht mehr schaffen, ich druck Ihnen gleich die Fahrscheine für den nächsten Zug aus.“ Das würde eine Stunde Wartezeit bedeuten! Normalerweise hätte ich mich bereits mit dem Gedanken angefreundet, eine Stunde später zu fahren und hätte mich womöglich ins McDonalds gesetzt und die Zeit mit einem Getränk oder Eis totgeschlagen. Doch in dem Moment kam mir der Gedanke „Nein! Du versuchst es! Du gibst nicht auf!“ Also zog ich meine Freundin hinter mir her und rannte Richtung Gleis. Von dem einen Ende des Bahnhofs bis zum Anderen. Der Atem wurde schon flach aber der Zug musste erreicht werden. Ich rannte die Treppen hoch und da sah ich mein Ziel, der Zug der bereits um 12:39 Uhr abfahren wollte, aber den ich noch um 12:44 Uhr erreichte. Kaputt ließ ich mich lächelnd auf den Stuhl plumpsen – nicht etwa weil ich den Zug bekommen habe oder wegen dem eventuell witzigen Auftritt am Bahnhof (zwei bedeckte Frauen, die rannten als ob es um Leben und Tod ging), eher weil ich mir selbst bewiesen habe, dass ich mehr erreichen könnte, wenn ich nur wollte und natürlich primär: wenn Allah subhana wa taala es möchte!

Gedanken im Kopf

Dinge die mir im Kopf durchgehen, die ich jedoch nicht zu Worte bringen kann. Ich trau mich nicht. Mein Mund ist wie verriegelt, mein Kopf plötzlich leer. Ich möchte gehört werden, doch die Worte schwinden im Nebel, finden kein Gehör. Verloren in der Menge.  Es ist sovieles das gesagt werden muss, dass klar gestellt werden muss.
Nah, deutlich und klar. Ich greife nach den Worten, da verliere ich sie wieder.  Sie entgleiten – wollen nicht bleiben. Jeder Versuch zum Scheitern verurteilt. Allein wieder mit den Gedanken, mit den vielen Gedanken, die niemand hört.

Ich muss funktionieren

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Aufstehen! Ich muss funktionieren. Schnell ins Bad, vorher die Kaffeemaschine bedienen. Frisch gemacht und für die Arbeitsklamotten bereit.  Schnell hineinschlüpfen bevor der Kaffee kalt wird. Die letzten Handgriffe, eine Nadel hier, eine dort – das Kopftuch sitzt, der Zeiger rast. Keine Zeit für ein Käsebrot – ein Vollkornbrot mit Kräuterquark, Paprika und eine Scheibe Goudakäse. Keine Zeit für ein Müsli – Obst, Nüsse und Joghurt! Stattdessen fummelt die Hand in einer Schachtel. Sie fischt ein Schokoriegel heraus. „Das reicht um den morgendlichen Hunger zu stillen.“ Die Tür fällt ins Schloss und der Rennmarathon zur Bushaltestelle beginnt.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt bereits am frühen morgen eher der Tumult überhaupt beginnt. Time is money, lehrt man uns. Also muss ich funktionieren.

Ein Freitag in der Masjid

Endlich! Nach vielen Wochen, gefüllt mit Arbeit und Schule, habe ich endlich an einem Freitag frei! Ich muss nicht lange überlegen und weiß bereits direkt, wie ich diesen Tag verbringen werde.
Heute werde ich in die Moschee gehen und dort mein Freitagsgebet verrichten. Es ist für mich – als Frau – keine Pflicht. Aber ich möchte es tun, weil es meine Seele gut tut, weil es mich den Stress vergessen lässt. Es erinnert mich daran, dass der ganze Wirbel, der an den anderen Tagen um mich herum tobt, keinen Sinn hat. Es hilft mir daran, mich an das wirklich Wichtige im Leben zu erinnern – an Allah, an das Jenseits und an den Sinn meiner Erschaffung: Allah’s Dienerin zu sein.

Je näher ich der Moschee komme desto mehr Geschwister sehe ich: barttragende Brüder, verschleierte Schwestern, spielende Kinder, lachende Jugendliche. Mein Herz überkommt eine rießen Freude – gleich werde ich mit meinen Geschwistern Fuß an Fuß den Allerbarmer, den Gewaltigen, Erhabenen, lobpreisen, gedenken, anbeten.

Vor dem gemeinsamen Gebet findet noch eine Freitagspredigt statt. Ich lausche gespannt.
Komisch. Es sind keine Aufrufe zur Gewalt, zum Extremismus, zur Unterdrückung der Frau oder um irgendwelche menschenverachtende Handlungen, die ständig in den Medien, in Verbindung mit dem Islam, stehen. Ich erlebe eine Atmosphäre jenseits dem, was in den Medien geprint wird.
Wieso besucht ihr Medien nicht einmal eine Freitagsgebet in der Moschee und berichtet darüber so wie es ist? Kann es etwa sein, weil sonst nicht die erwünschten Beiträge dabei rauskommen würden? Keine Gewalt, keine unterdrückten Frauen…?!

Ich denke darüber nicht länger nach – nicht heute! Heute geht es einfach nur darum meinem Schöpfer nah zu sein, ihm zu gedenken, so wie es ihm gebührt!

Ich stelle mich mit meinen Geschwistern in eine gerade Reihe auf – Fuß an Fuß. Alle möglichen Nationalitäten sind vertreten: Deutsche, Marokkaner, Tunesier, Türken, Bosnier… zu viele um alle zu erwähnen.
Halte die Hände zwischen Ohr- und Schulterhöhe und spreche den Takbir: Allahu Akbar.
Und da ist sie – die Ruhe (As-Sakina) – die im Tumult des Lebens fehlt..